Was sind die Besonderheiten der Bewertung von Hochtouren?

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Aufgrund der unterschiedlichen Einflüsse und der wechselhaften Bedingungen auf einer Hochtour ist die Festlegung fixer Schwierigkeitsskalen äußerst kompliziert. Es können mehrere Bewertungssysteme verwendet werden, wobei es sich bei der Bewertung von Hochtouren als wichtig herausgestellt hat, den Fokus auf die Ernsthaftigkeit der Tour (Tourenlänge, Kontinuität der Anforderungen, objektive Gefährdung, Ausgesetztheit, Absicherungsqualität, Brüchigkeit, etc.) zu legen, und weniger auf die technischen Schwierigkeiten der Kletterpassagen. Die Touren auf unserem Portal können daher anhand der UIAA-Skala sowie der Westalpenskala (SAC-Berg- und -Hochtourenskala) bewertet werden. Zusätzlich zur allgemeinen Bewertung der Touren (Kondition, Technik, usw.) ist bei Hochtouren noch das Gefahrenpotenzial entscheidend. 

 

UIAA-Skala

I Grad:

Fels: Geringe Schwierigkeiten – einfaches Gelände (Geröll und einfacher Blockgrat). Die Hände sind zur Unterstützung des Gleichgewichtes erforderlich. Anfänger müssen am Seil gesichert werden. Schwindelfreiheit ist bereits erforderlich.

Firn und Gletscher: Einfache Firnhänge und kaum Spalten

II Grad:

Fels: Mäßige Schwierigkeiten – übersichtliche Kletterstellen. Hier beginnt die Kletterei, welche die Drei-Punkt-Haltung erforderlich macht.

Firn und Gletscher: In der Regel wenig steile Hänge, kurze steilere Passagen wenig Spalten und Rückzug immer möglich

III Grad:

Fels: Mittlere Schwierigkeiten – Zwischensicherungen an exponierten Stellen empfehlenswert, senkrechte Stellen verlangen bereits Kraftaufwand. Geübte und erfahrene Kletterer können Passagen dieser Schwierigkeit noch ohne Seilsicherung erklettern.

Firn und Gletscher: Steilere Hänge, gelegentlich bereits Standplatzsicherung notwendig, viele Spalten, kleiner Bergschrund und Rückzug unter Umständen bereits problematisch

IV Grad:

Fels: Große Schwierigkeiten – Hier beginnt die Kletterei schärferer Richtung. Erhebliche Klettererfahrung ist notwendig und längere Kletterstellen bedürfen meist mehrerer Zwischensicherungen. Auch geübte und erfahrene Kletterer bewältigen Passagen dieser Schwierigkeit gewöhnlich nicht mehr ohne Seilsicherung. Außerdem ist ein guter Routensinn erforderlich.

Firn und Gletscher: Sehr steile Hänge, meistens Standplatzsicherung erforderlich, viele Spalten, großer Bergschrund und Rückzug nur noch selten möglich

V Grad:

Fels: Sehr große Schwierigkeiten – Zunehmende Anzahl an Zwischensicherungen ist die Regel und es bestehen erhöhte Anforderungen an körperliche Voraussetzungen, Klettertechnik und Erfahrung. Lange hochalpine Routen im Schwierigkeitsgrad V zählen bereits zu den ganz großen Unternehmungen in den Alpen und außeralpinen Regionen.

Firn und Gletscher: Anhaltendes Steilgelände und durchgehende Standplatzsicherung

VI Grad:

Fels: Überaus große Schwierigkeiten – Die Kletterei erfordert weit überdurchschnittliches Können und hervorragenden Trainingsstand. Eine große Ausgesetztheit ist oft verbunden mit kleinen Standplätzen. Passagen dieser Schwierigkeit können in der Regel nur bei guten Bedingungen bezwungen werden.

Firn und Gletscher: Sehr steile und senkrechte Stellen erfordern Eiskletterei

VII Grad:

Fels: Außergewöhnliche Schwierigkeiten – Dieser Schwierigkeitsgrad wird nur durch gesteigertes Training und verbesserte Ausrüstung erreicht. Auch die besten Kletterer benötigen ein an die Gesteinsart angepasstes Training, um Passagen dieser Schwierigkeit nahe der Sturzgrenze zu meistern. Neben akrobatischem Klettervermögen ist das Beherrschen ausgefeilter Sicherungstechnik unerlässlich.

Firn und Gletscher: Extrem steil und überhängende Stellen mit Eiskletterei


+/- :
Zwischenstufen geben an, ob die Wertung jeweils an der oberen (+) bzw. unteren (-) Grenze des genannten Schwierigkeitsgrads liegt.

 

Westalpenskala / SAC-Berg- und -Hochtourenskala

F = facile (L, leicht für Geübte) = I

Einfachste Route über den Gletscher, im Fels bewegt sich die technische Schwierigkeit um I: Die Hände werden nur zum Stützen des Gleichgewichts verwendet.

PD = peu difficile (WS, wenig schwierig) = II

Die technische Schwierigkeit bewegt sich um II. Die Routenwahl ist leicht und der erfahrene Amateur kann die Anforderungen an die Führungstechnik meistern. Bei einem Wettersturz ist der Rückzug rasch möglich.

AD = assez difficile (ZS, ziemlich schwierig) = III

Die technische Schwierigkeit bewegt sich um III. Die Routenwahl verlangt bereits ein geschultes Auge. Führungstechnisch wird gute Seilhandhabung und Sicherungstechnik vorausgesetzt. Bei einem Wettersturz können die Verhältnisse bereits sehr schwierig werden.

D = difficile (S, schwierig) = IV

Die technische Schwierigkeit bewegt sich um IV. Die Touren sind lang und anforderungsreich. Die Routenwahl verlangt viel Erfahrung. Viele der großen alpinen Touren fallen in diesen Bereich. Die Führungstechnik muss effizient sein und erfordert vom Seilersten viel Routine und absolute Sicherheit.

TD = très difficile (SS, sehr schwierig) = V

Die technische Schwierigkeit bewegt sich um V. Die Routenwahl ist sehr schwierig und bei falscher Einschätzung kann ein Rückzug gefährlich oder fast unmöglich sein. Touren dieser Art gehören zu den ganz großen Unternehmungen der Alpen.

ED = extrêmement difficile (AS, äußerst schwierig) = VI

Die technische Schwierigkeit bewegt sich um VI. Die Routen können sehr unübersichtlich sein und Sicherungspunkte weitgehend fehlen. Der Rückzug ist nur noch unter sehr großem Risiko möglich. Diese Touren sind wenigen Spezialisten vorbehalten, die in allen Bereichen große Erfahrung haben.

EX/ABO = exceptionellement difficile or abominable (EX, extrem schwierig)

Einige der modernsten Touren übersteigen den Schwierigkeitsgrad ED noch. Diese Touren sind dann extrem steile, teilweise überhängende Wanddurchstiege.

+/- :
Zwischenstufen geben an, ob die Wertung jeweils an der oberen (+) bzw. unteren (-) Grenze des genannten Schwierigkeitsgrads liegt. 

Steilheit Eis

Für die Messung der Steilheit der Eisflächen auf Hochtouren wird auf unserem Portal die WI-Skala (Water Ice – Skala) herangezogen:


Skala             Steilheit             

WI1:                 40°- 60°

WI2:                 60° - 70 °

WI3:                 70° - 80°

WI4:                 80°

WI5:                 85° - 90°

WI6:                 90°

WI7:                 100° + / überhängend                                  

 

Gefahrenpotential 

Die arabischen Ziffern 1-6 benennen das Gefahrenpotenzial bei Hochtouren. Dieses wird aus Variablen wie Absicherungsqualität, BrüchigkeitHangneigung, Orientierung, Lawinengefahr, Wechten, Schlüsselstellen, Spaltengefahr oder Länge der Tour bestimmt. Die Variable mit der größten Gefahreneinstufung bestimmt die Höhe des Gefahrenpotenzials. In der Windrose für die Exposition wird die überwiegende Ausrichtung der Hänge, auf denen man sich bewegt, angezeigt.

  • Gefahrenpotential 1:
    • Die Tour führt durch flaches, ebenes Gelände.
    • Der Wegverlauf ist 
    • Es besteht keine Lawinengefahr.
    • Die Route hat keine Schlüsselstellen.
    • Es besteht keine Spaltengefahr.
    • Es besteht keine Gefahr durch Abbrüche von Wechten.
  • Gefahrenpotential 2:
    • Die Tour führt meist durch flaches, ebenes Gelände.
    • Der Wegverlauf ist leicht zu erkennenkeine Gefahren am Weg.
    • Es besteht kaum Lawinengefahr.
    • Die Route hat kaum Schlüsselstellen.
    • Auf Gletschern: es besteht kaum Spaltengefahr.
    • Es besteht kaum Gefahr durch Abbrüche von Wechten.
  • Gefahrenpotential 3:
    • Die Tour führt manchmal durch steiles Gelände bis 30° Hangneigung.
    • Der Wegverlauf ist nicht immer leicht erkennbar, kaum Gefahren am Weg.
    • Es besteht teilweise Lawinengefahr.
    • Die Route hat einige Schlüsselstellen.
    • Auf Gletschern: es besteht teilweise 
    • Es besteht teilweise Gefahr von Wechtenabbrüchen.
  • Gefahrenpotential 4:
    • Die Tour führt durch steiles Gelände bis 34° Hangneigung.
    • Der Wegverlauf ist nicht leicht erkennbar, zahlreiche Gefahren am Weg.
    • Es besteht 
    • Die Route hat zahlreiche Schlüsselstellen.
    • Auf Gletschern: es besteht erhöhte Spaltengefahr.
    • Es besteht erhöhte Gefahr von Wechtenabbrüchen.
  • Gefahrenpotential 5:
    • Die Tour führt durch steiles Gelände von 34° bis 40° Hangneigung.
    • Der Wegverlauf ist schwer erkennbar, viele Gefahren am Weg.
    • Es besteht große Lawinengefahr.
    • Die Route hat viele Schlüsselstellen.
    • Auf Gletschern: es besteht große Spaltengefahr.
    • Es besteht große Gefahr von Wechtenabbrüchen.
  • Gefahrenpotential 6:
    • Die Tour führt durch steiles Gelände über 40° Hangneigung.
    • Der Wegverlauf ist sehr schwer erkennbar, sehr viele Gefahren am Weg.
    • Es besteht sehr große Lawinengefahr.
    • Die Route hat sehr viele Schlüsselstellen.
    • Auf Gletschern: es besteht sehr große Spaltengefahr.
    • Es besteht sehr große Gefahr von Wechtenabbrüchen.
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